GRI 3 – Wesentliche Themen und Managementansatz

3-1 Verfahren zur Bestimmung wesentlicher Themen

Die Wesentlichkeitsanalyse (oder Materialitätsanalyse) ist als die Ausgangsbasis zu sehen und bildet folglich die Grundlage für die Nachhaltigkeitsgrundsätze, die strategischen Nachhaltigkeitsziele und für das Reporting – das Nachhaltigkeitsprogramm wird aus den strategischen Zielen abgeleitet, welche sich aus der Wesentlichkeitsanalyse ergeben.  

Die Inhalte, wie auch die grundlegende Struktur der Berichterstattung, richten sich dabei nach den Standards der Global Reporting Initiative (GRI), nach den zehn Prinzipien des UN Global Compacts sowie nach den Anforderungen der EMASplus-Richtlinie. Zusammengefasst: Für die Wesentlichkeitsanalyse werden die jeweils gültigen Fassungen der verwendeten Rahmenwerke berücksichtigt – zukünftig, insbesondere die Anforderungen der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) und deren Berichtsstandards, den European Sustainability Reporting Standards (ESRS). 

Die wesentlichen Themen und Kriterien für die Berichtsinhalte erarbeitete 2020 ein Expertenteam der EB-Gruppe zusammen mit dem NKI – Institut für nachhaltige Kapitalanlagen im Rahmen einer Wesentlichkeitsanalyse in mehreren Workshops. Vorgelagert zur Wesentlichkeitsanalyse fand in der EB eine SWOT-Analyse statt. Die Perspektiven der (externen) Stakeholder wurden im Wesentlichkeitsanalyseprozess durch interne Vertreter:innen der EB-Gruppe berücksichtigt, die die notwendige Expertise aufweisen. Die Sicherstellung der Expertise erfolgt bspw. anhand von regelmäßigen diversen Dialogformaten mit den Stakeholdern (GRI 2-29). 

Als erster Prozessschritt im Wesentlichkeitsanalyseprozesses wurden für die Erstellung der Longlist interne Instrumente wie die “Analyse der Ausgangssituation” – beinhaltet interne und externe Rahmenbedingungen und Einflussfaktoren – sowie (perspektivisch) die Risikoinventur hinzugezogen. Als Quellen für die Longlist dienten des Weiteren insb. die bestehende Wesentlichkeitsmatrix der EB, die einschlägige Literatur, diversen Journals sowie Wesentlichkeitsmatrizen von Mitbewerbern. 

In einem Workshop wurde die Longlist – mit den identifizierten (potenziellen) wesentlichen Themen – geclustert und priorisiert. Die Ergebnisse wurden in einer Wesentlichkeitsmatrix festgehalten – Y-Achse: Relevanz für Stakeholder (A bis E), X-Achse: Relevanz für Evangelische Bank (1 bis 5). 

Alle Themen, die sowohl aus Sicht der Evangelischen Bank als auch aus Sicht der Stakeholder eine hohe Relevanz für die EB-Gruppe haben, wurden als wesentlich klassifiziert. Eine abschließende kritische Würdigung und Genehmigung der Wesentlichkeitsmatrix bzw. der identifizierten wesentlichen Themen erfolgte durch die Mitglieder des Vorstands. 

Der beschriebene Wesentlichkeitsanalyseprozess findet in einem dreijährigen Turnus statt und wird einmal jährlich im Rahmen der Nachhaltigkeitsberichtserstellung überprüft. Bei Bedarf wird die Wesentlichkeitsmatrix aktualisiert. Die nächste Wesentlichkeitsanalyse ist für den Sommer 2023 geplant und wird die Anforderungen der CSRD bzw. deren Berichtsstandards (ESRS) berücksichtigen. 

Teilnehmer:innen dieser Workshops waren neben dem NKI – Institut für nachhaltige Kapitalanlagen die internen Vertreter:innen der externen Stakeholder. Dazu gehören insb. Vertreter:innen der Organisationseinheiten Compliance & Recht, Unternehmenssteuerung & Finanzen, Vertrieb, Strategie & Nachhaltigkeit, Kommunikation & Marketing’, sowie mindestens ein:e Vertreter:in der Geschäftsleitung der jeweiligen Tochtergesellschaften. 

3-2 Liste der wesentlichen Themen

Die EB hat auf Grundlage ihrer wesentlichen Themen strategische Ziele formuliert. Aus diesen Zielen leiten sich verschiedene Maßnahmen ab, welche im Nachhaltigkeitsprogramm wiederzufinden sind.
 

Die folgende Abbildung zeigt die Wesentlichkeitsmatrix der EB-Gruppe, in welcher die Ergebnisse der Wesentlichkeitsanalyse abgebildet werden. 

Um ein umfassendes Bild über die wesentlichen Themen in der Nachhaltigkeitsberichterstattung zu vermitteln, wurde unter Bezugnahme auf die GRI-Standards die folgenden GRIs berichtet: 

  • GRI 2: Allgemeine Angaben 2021 
  • GRI 3: Wesentliche Themen 2021 
  • GRI 205: Korruptionsbekämpfung 2016 
  • GRI 302: Energie 2016 
  • GRI 305: Emissionen 2016 
  • GRI 401: Beschäftigung 2016 
  • GRI 402: Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Verhältnis 2016 
  • GRI 404: Aus- und Weiterbildung 2016 
  • GRI 405: Diversität und Chancengleichheit 2016 
  • GRI 406: Nichtdiskriminierung 2016 
  • GRI 412: Prüfung auf Einhaltung der Menschenrechte 2016 
  • GRI 414: Soziale Bewertung der Lieferanten 2016 
  • GRI 417: Marketing und Kennzeichnung 2016 
  • GRI 418: Schutz der Kundendaten 2016 

Zusätzlich findet auf Basis der EMASplus-Richtlinie eine freiwillige Berichterstattung unter Bezugnahme auf die folgenden GRI-Standards statt: 

  • GRI 301: Materialien 2016 
  • GRI 303: Wasser und Abwasser 2018 
  • GRI 304: Biodiversität 2016 
  • GRI 306: Abwasser und Abfall 2020 

Eine Überprüfung der wesentlichen Themen findet jährlich und anlassbezogen statt. Bei Bedarf wird diese Liste aktualisiert. Im Berichtsjahr 2022 fand keine Änderung der Liste der wesentlichen Themen im Vergleich zum vorherigen Berichtszeitraum statt. 

Die lange Historie der EMASplus-Zertifizierung (seit 2011) ermöglicht es der EB, die Berichterstattung und den Wesentlichkeitsanalyseprozess stetig weiterzuentwickeln. In diesem Nachhaltigkeitsbericht wurde auf der kritischen Auseinandersetzung aus dem vorangegangenen Jahr aufgebaut. 

3-3 Management der wesentlichen Themen

Das Nachhaltigkeitsmanagement hat seine Wurzeln im Leitbild der Evangelischen Bank und der damit verbundenen Klarheit von Vision, Mission und der Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft. Der Managementansatz bezieht sich auf den gesamten Bericht und gilt für alle unter GRI 3-1 bzw. 3-2 definierten themenspezifischen GRIs. Bei den themenspezifischen GRIs werden teilweise weitere Informationen zum Managementansatz offengelegt, um das Verständnis über die Auswirkungen zu schärfen und transparent zu gestalten. Branchenstandards bestehen für Finanzinstitute im Berichtsjahr nicht. 

Unternehmensleitbild 

Das Unternehmensleitbild, das in der 2022 verabschiedeten Corporate Story der EB eine neue Form erhalten hat, zeigt deutlich auf, dass das unternehmerische Handeln auf den drei Säulen der Nachhaltigkeit beruht. Die Ausgewogenheit zwischen Ökonomie, Ökologie und Sozial-Ethischem sichert den langfristigen Erfolg der EB und damit ihre Zukunftsfähigkeit. 

Alle Handlungen und Entscheidungen des Vorstandes, der Führungskräfte und aller Mitarbeiter:innen der EB gehen auf die Grundsätze und das Werteverständnis des Unternehmensleitbildes zurück.  

Nachhaltigkeitsgrundsätze 

Basierend auf der Vision und dem Unternehmensleitbild der Bank hat die EB ihre Nachhaltigkeitsgrundsätze entwickelt, die insgesamt zwölf strategische Nachhaltigkeitsziele umfassen. Sie sind ein integraler Bestandteil der Unternehmensgrundsätze und damit des Geschäftsmodells der EB. Durch diese konsistente Einbeziehung ist gewährleistet, dass Nachhaltigkeit ein originärer Teil des Unternehmenszwecks ist. Die strategischen Nachhaltigkeitsziele reichen aktuell bis in das Jahr 2026 hinein und werden mithilfe des Konzepts der Sustainability Balanced Scorecard (SBSC) umgesetzt. Die integrierte SBSC umfasst dabei die nachhaltigkeitsrelevanten Ziele, Messgrößen und Maßnahmen. Sie ist ins Zielsystem der Bank auf Basis der klassischen vier Balanced Scorecard-Dimensionen eingebettet: 

  • Kund:innen, 
  • Mitarbeiter:innen, 
  • Finanzen, 
  • Prozesse. 

Das Nachhaltigkeitsprogramm 2021+ nach EMASplus ist bis 2023 ausgelegt. 

Für die Festlegung der strategischen Ausrichtung der EB ist der Vorstand in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat verantwortlich. Die Nachhaltigkeitsgrundsätze legt der Vorstand fest. Innerhalb der EB-Gruppe ist der Nachhaltigkeitsrat die zentrale Instanz für das Nachhaltigkeitsmanagement und gewährleistet als Entscheidungsgremium die strategische Implementierung der Nachhaltigkeit. Der Nachhaltigkeitsrat setzt sich aus den Mitgliedern des Vorstands, der Abteilungsleitung „Strategie & Nachhaltigkeit“, den Geschäftsführer:innen der Tochtergesellschaften, den Leiter:innen der vier Arbeitskreise Betriebsökologie & Beschaffung, Mitarbeiter & Soziales, Sustainable Finance (Arbeitsteams Kapitalanlage und Kredit) und Vertrieb, einer Vertreter:in des Gesamtbetriebsrates, einer Vertreter:in der Strategieentwicklung sowie einer Diversity Manager:in zusammen. Darüber hinaus ist die Stabsabteilung Kommunikation & Marketing vertreten. Für die operative Umsetzung der Nachhaltigkeitsgrundsätze ist die Abteilung „Strategie & Nachhaltigkeit” verantwortlich. 

Managementzyklus

Auf- / Ausbau des Managementsystems 

Der Managementzyklus für die Nachhaltigkeitsgrundsätze setzt sich aus den Elementen 

  • Analyse 
  • Konzeption 
  • Umsetzung und 
  • Steuerung zusammen. 

Die klassischen Managementansätze erweitert die EB für die Nachhaltigkeitsgrundsätze um verschiedene ökologische, ökonomische und soziale Aspekte. Bei der Umsetzung ihres Nachhaltigkeitsmanagements wird die EB durch das integrierte System EMASplus unterstützt. EMASplus basiert auf dem bewährten europäischen EMAS-System (Eco-Management and Audit Scheme) und erweitert das klassische Umwelt- und Qualitätsmanagement um soziale und ökonomische Aspekte hin zu einem integrierten, ganzheitlichen Nachhaltigkeitsmanagementsystem. 

Element: Analyse 

Um die Nachhaltigkeitsgrundsätze stringent umsetzen zu können, nutzt die EB das Konzept der Sustainability Balanced Scorecard (SBSC), die erstmalig im Jahr 2015 erstellt wurde. Ziel dieser Vorgehensweise ist die Integration der drei Säulen der Nachhaltigkeit – Ökonomie, Ökologie und Sozial-Ethik – in das ganzheitliche Management- und Zielsystem. Als Teil des ganzheitlichen Systems umfasst die integrierte SBSC alle nachhaltigkeitsrelevanten strategischen Ziele, Messgrößen und Maßnahmen. 

Element: Konzeption 

Aus den Nachhaltigkeitsgrundsätzen leitet sich das operative Nachhaltigkeitsprogramm ab. Dieses erstellt die EB auf Basis einer SWOT-Analyse und einer Wesentlichkeitsanalyse. In dieses Programm fließen auch externe Standards ein. 

Das Nachhaltigkeitsprogramm enthält pro Perspektive die jeweiligen strategischen Ziele, Messgrößen und Zielwerte. Die operativen Maßnahmen und Aktivitäten werden mit Zeitplänen und klaren Zuständigkeiten versehen. 

Element: Umsetzung 

Der Nachhaltigkeitsrat ist ein Entscheidungsgremium für nachhaltige Themen. Es tagt zweimal jährlich und überprüft die ökonomischen, ökologischen und sozial-ethischen Fortschritte der Bank sowie den Integrationsstand des Nachhaltigkeitsprogramms. Die jeweiligen Arbeitskreise befassen sich intensiv mit der Weiterentwicklung von Nachhaltigkeitsthemen und bereiten Entscheidungen für den Nachhaltigkeitsrat vor. 

Element: Steuerung 

Die EB hat im Rahmen des Managements zahlreiche Instrumente einschließlich eines umfassenden Managementinformationssystems sowie eines Berichtswesens implementiert, um die Bank nachhaltig steuern zu können. Das Managementinformationssystem umfasst die Überwachung des gesamten Zielsystems der Bank einschließlich der Messgrößen und Aktivitäten des strategischen Nachhaltigkeitsmanagements.  

Nachhaltigkeitsprüfungen 

Bei der Implementierung des EMASplus-Systems im Jahr 2011 fand erstmals eine umfassende Bestandsaufnahme im Sinne der EMASplus-relevanten Kennzahlen statt. Seitdem führt die EB mindestens einmal jährlich eine Erhebung der nachhaltigkeitsrelevanten Kennzahlen, die Bewertung von Veränderungen des vergangenen Geschäftsjahres und der Anforderungen an die Berichterstattung oder in Bezug auf die EMASplus-Zertifizierung durch. 

 Zur Datenerhebung: Seit 2014 sind alle Standorte der EB in das EMASplus-System integriert. Am Umweltmanagementsystem EMAS selbst nehmen die Standorte Kassel und Kiel teil. Die Tochtergesellschaften, die in Kassel ansässig sind, binden wir seit 2017 verstärkt in das System mit ein. Seit dem Geschäftsjahr 2019 erfolgt die Erfassung der Daten für alle Gesellschaften der EB-Gruppe. Die Datenbasis ist zum Teil noch nicht vollständig (z. B. Gesundheitsquote). Gleichwohl ist erkennbar, dass sich durch die Notwendigkeit der Berichterstattung sowohl das Wissen, die Datenbasis und -qualität als auch das Engagement der Beteiligten verbessert. 

Für die regelmäßigen Überprüfungen innerhalb der EB-Gruppe spielen auch externe Ratings eine Rolle. Die Bewertung externer Nachhaltigkeitsrating-Agenturen oder Initiativen gibt der EB zusätzlich eine objektive Einschätzung darüber, ob auch „von außen“ die erreichten Fortschritte positiv beurteilt werden. 

Audits und Management Review 

Ein wesentlicher Aspekt des Managementansatzes ist die regelmäßige kritische interne und externe Prüfung der vorhandenen Prozessabläufe und Systemstrukturen, der internen Dokumentation sowie der Berichterstattung. Da die Bank selbst und auch die Stakeholder stets neuen Veränderungen begegnen und sich somit auf neue Herausforderungen einstellen müssen, setzt sie sich stetig objektiv mit dem aktuellen Status quo auseinander und entwickelt diesen zukunftsfähig weiter. Die EB stellt sich rechtzeitig auf aktuelle Entwicklungen ein und will ihre Vorreiterstellung im nachhaltigen Finanzwesen manifestieren und weiter ausbauen. Daher werden regelmäßig interne Ideen und Empfehlungen zur Verbesserung des Managementsystems diskutiert und bei entsprechender positiver Bewertung in das System integriert. 

Aufgrund der zunehmenden Komplexität von nachhaltigen Fragestellungen hat die EB 2020 ein grunderneuertes Beiratskonzept entworfen und mit den konstituierenden Sitzungen der Fachbeiräte im Juni 2021 u. a. einen Nachhaltigkeitsbeirat ins Leben gerufen. Die EB sorgt auf diese Weise für einen regelmäßigen fachlichen Austausch mit renommierten Expert:innen aus Diakonie, Nichtregierungsorganisationen, Politik und Wissenschaft. Prof. Dr. Christina Evelines Bannier, Professorin für Banking & Finance an der Justus-Liebig-Universität Gießen, wurde zur Sprecherin des Nachhaltigkeitsbeirates gewählt. 

Das jeweils geltende Nachhaltigkeitsprogramm überprüft die EB mindestens einmal jährlich auf den Grad der Zielerreichung und erörtert es ausführlich im Nachhaltigkeitsrat. Aufbauend auf dem Nachhaltigkeitsprogramm bis 2020 und unter Hinzuziehung der Gesamtbankziele wurde 2020 ein neues Nachhaltigkeitsprogramm erarbeitet (GRI 3-1, 3-2 und Anhang), welches seit Ende 2020 umgesetzt wird. 

Im Rahmen eines Strategie-Dialogs überprüft und passt die EB das Zielsystem jährlich an. An diesem Dialog sind neben allen Mitgliedern des Vorstands die Leitungen der Direktionen sowie der Aufsichtsrat beteiligt. Darauf aufbauend werden die Ziele der Nachhaltigkeitsgrundsätze regelmäßig erweitern und angepasst. 

Nachhaltigkeitsbericht 

In mehreren Workshops hat ein Expertenteam die wesentlichen Themen und Kriterien für die Berichtsinhalte im Rahmen einer SWOT-Analyse und Wesentlichkeitsanalyse erarbeitet. Bei der Entscheidung zur Wesentlichkeit der Inhalte, zum notwendigen Detaillierungsgrad der Indikatoren und zur Überprüfung der Angaben durch externe Dritte orientiert sich die Bank insbesondere an den Interessen der Stakeholder (GRI 3-1 und 3-2).